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Rückblick | Wir feiern 25 Jahre Netzwerk Tolerantes Sachsen!

25 Jahre Netzwerk Tolerantes Sachsen

2026 wird das Netzwerk Tolerantes Sachsen 25 Jahre alt. Wenn wir darauf schauen, geht es nicht nur um eine Zahl. Es geht um all die Initiativen, Vereine und Menschen, die das Netzwerk mit Leben füllen.

Seit 25 Jahren setzt Ihr Euch für Demokratie und eine vielfältige Gesellschaft in Sachsen ein. Ihr bleibt dran, auch wenn es schwierig wird. Ihr widersprecht, wo es nötig ist. Ihr schafft Räume, in denen Menschen sich begegnen können. Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich – und genau das haben wir gemeinsam gefeiert!

Trotz des unbeständigen Wetters haben viele engagierte Menschen den Weg nach Grimma gefunden. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei allen bedanken, die mit uns gefeiert, mit angepackt und teilweise weite Strecken auf sich genommen haben.

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei der Alten Spitzenfabrik bedanken, beim PRO COLORE e.V. für das Mitbringen des unfassbar coolen KonRads, bei Holz & Spiele, bei der Fiatelle und dem Antifaschistischen Chor Pir-Moll für die tolle musikalische Begleitung. Unser Dank gilt auch Staatsministerin Petra Köpping für das Grußwort, in welchem es heißt: „Tolerantes Sachsen hat sich zu einer unverzichtbaren Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement entwickelt. Sie geben den Menschen in Sachsen eine Stimme und ein Werkzeug selbst aktiv zu werden. (…) Sie tragen dazu bei, dass Sachsen ein Ort bleibt, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Weltanschauung oder sexueller Orientierung sicher und frei leben können. Besonders in Zeiten, in denen demokratische Werte unter Druck geraten, ist ihre Arbeit ein Fels in der Brandung. Ihr Engagement ist unersetzlich.“

Dieses Jubiläum ist ein Dankeschön: an alle, die gegründet, aufgebaut, koordiniert, beraten, informiert, organisiert und immer wieder neu motiviert haben. An alle, die mit Geduld und Klarheit gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit arbeiten. Und an alle, die gezeigt haben, dass Zivilgesellschaft nicht abstrakt ist, sondern aus Menschen besteht, die Verantwortung füreinander übernehmen – trotz der herrschenden Bedingungen. Wir als Netzwerk Tolerantes Sachsen werden weiterkämpfen. 

Redebeitrag des Sprecher_innenrates

Liebe Mitglieder, Unterstützer_innen und Freund_innen,

heute feiern wir 25 Jahre Netzwerk Tolerantes Sachsen. Ein Vierteljahrhundert, in dem wir uns gemeinsam für Demokratie, Vielfalt und eine offene Gesellschaft eingesetzt haben. 

Im Netzwerk Tolerantes Sachsen haben sich über 160 Initiativen und Vereine zusammengeschlossen, die sich für die Stärkung einer demokratischen Alltagskultur und für vielfältige Lebensrealitäten in Sachsen einsetzen. Wir kämpfen gemeinsam seit 25 Jahren gegen alle Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und des Rechtsextremismus. Wir sind angetreten, um organisierten Neonazis oder Neuen Rechten in diesem Freistaat die Räume zu nehmen. Das war, ist und bleibt unsere Zielsetzung. 

Und die ist bitter nötig! Vor zwei Wochen hat das verschwörungsideologische Projekt „M1llion“ in Plauen 10.000 Menschen mobilisieren können. Die meisten CSDs in sächsischen Kleinstädten waren und sind mit rechtsextremen Mobilisierungen, Störungen und Straftaten konfrontiert. Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte erleben im Alltag zunehmend Gewalt. Die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten steigt seit Jahren an. Hier in Grimma wurde ein Stadtrat als mutmaßliches Mitglied der sogenannten Sächsischen Separatisten festgenommen und muss sich derzeit am Oberlandesgericht Dresden u.a. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Wären morgen Landtagswahlen, dann würde die AfD vermutlich auch in Sachsen mit Abstand die meisten Stimmen bekommen. Ihr alle kennt genug Beispiele dafür, dass die Normalisierung rechtsextremer Positionen in Sachsen sehr weit vorangeschritten ist. Unsere Arbeit gerät an vielen Stellen unter Druck. 

Seit Jahren kämpfen wir dafür, dass die Landesförderprogramme für Demokratie-, Gleichstellungs-, Integrations- und Jugendarbeit finanziell angemessen ausgestattet sind. Immer wieder sieht sich die sächsische Zivilgesellschaft mit Kürzungsplänen konfrontiert. Aktuell sollen die Fördermittel des Landes für Integration mit dem kommenden Haushalt erheblich reduziert werden. Der Bund hat die Gelder für Asylberatung bereits weitgehend gestrichen. 

Das Bundesprogramm Demokratie leben! wird aktuell durch das Bundesfamilienministerium neu aufgestellt, wodurch auch in Sachsen zahlreiche Projekte oder Kooperationsverbände vorzeitig beendet werden müssen.  Vielen Projekten wird damit auch ein Misstrauen ausgesrpochen, es heißt, die Projekte würden wenig wirken oder seien unwissenschaftlich. Es bleibt abzuwarten, wie viele Projekte es ab 2027 in Sachsen noch geben wird, die durch das Bundesprogramm finanziert werden. Und auch die zugehörigen Partnerschaften für Demokratie stehen als weitere Säule des Programms unter Anspannung: In vielen Regionen Sachsen sind die Partnerschaften für Demokratie eine verlässliche Stütze der lokalen Zivilgesellschaft. Aufgrund von immer mehr Bürokratie oder unzumutbaren Vorgaben des Bundesministeriums steigen manche kreisfreien Städte oder Landkreise aus dem Programm aus. Rechtsextreme Fraktionen setzen sich in Stadträten oder Kreistagen für eine Beendigung von Demokratie leben! ein. 

Diese sind nur einige Beispiele, in 25 Jahren war nicht alles Sonnenschein. Momente des Zweifelns und das Gefühl des Scheiterns gab es sicherlich bei uns allen bereits. Doch was sich bewiesen hat ist das Durchhaltevermögen, die Standfestigkeit und die Stärke miteinander den Widrigkeiten entegegnzutreten. Wo wären wir ohne all das ehren- und hauptamtliche Engagenment von euch, von uns und all denjenigen die wir lückenlos hier gar nicht aufzählen könnten. 25 Jahre Tolsax ist nicht nur ein Moment des Rückblicks und der Klage, vielmehr macht es sichtbar was gemeinsames Engagement ermöglicht: ein viertel Jahrhundert Rückenstärkung für demokratisches Engagement für Integration, für Menschenwürde, gegen Diskriminierung und rechtsextremen Hass. Die letzten 25 Jahre haben uns gezeigt was es braucht um demokratische Orte zu schaffen und zu halten: Es braucht Menschen, die sich einmischen, die zuhören, die Konflikte aushalten und die dort widersprechen, wo Ausgrenzung, Abwertung und Hass beginnen. Das Netzwerk Tolerantes Sachsen hat diese Aufgabe nie als Nebensache verstanden, sondern als demokratische Verantwortung.

Unser aller Aufgabe besteht genau darin: Menschen Mut zu machen, sich gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Hass oder Rechtsextremismus einzusetzen. Sie besteht darin, Minderheiten sichtbarer zu machen und dabei zu helfen, dass die Interessen und Bedürfnisse im Diskurs gehört und beachtet werden. Wir sind stolz auf die ehren- und hauptamtliche Arbeit der vielen Engagierten in den Mitgliedsvereinen des Netzwerks Toleranten Sachsen. Wir wissen um die Widrigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, wir wissen aber auch um die vielen kleinen Erfolge, die täglich errungen werden. 

Darum ist dieses Jubiläum auch ein Dankeschön: an alle, die gegründet, aufgebaut, koordiniert, beraten, informiert, organisiert und immer wieder neu motiviert haben. An alle, die mit Geduld und Klarheit gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit arbeiten. Und an alle, die gezeigt haben, dass Zivilgesellschaft nicht abstrakt ist, sondern aus Menschen besteht, die Verantwortung füreinander übernehmen – trotz der herrschenden Bedingungen.

Aktuell schauen Viele nach Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird. Die Rechtsextremen der AfD haben Chancen, eine Alleinregierung zu stellen. Erstmals könnte damit wieder ein rechtsextremer Ministerpräsident in Deutschland Realität werden. Aktuell liegen viele Hoffnngen auf der Bundesgesetzgebung oder dem Bundesverfassungsgericht. Obwohl auch wir fordern, dass der Rechtsstaat alle Optionen prüft, wie man mit dieser neuen Bedrohung umgehen kann, darf nicht allein auf die juristische oder polizeiliche Karte gesetzt werden: Verhältnisse wie die in Sachsen-Anhalt müssen uns dazu veranlassen, überall starke zivilgesellschaftliche Netzwerke zu bilden, die auch in einem rechtsextrem regierten Sachsen-Anhalt Schutz- und Aktionsräume erhalten können. 

Dennoch gilt es hier politisch Verantwortliche nicht aus ihrer Verantwortung zu nehmen: Wer erfolgreiche Demokratieprojekte und eine starke und handlungsfähige Zivilgesellschaft will, muss bereit sein diese Projekte dauerhaft und sicher auszustatten statt den sozialen Kahlschlag voranzutreiben!

Deshalb sind wir hier und deshalb gehen wir nicht weg. Wir als Netzwerk Tolerantes Sachsen werden weiterkämpfen. Wir haben die Landtagswahlen 2029 im Blick und wir werden auch noch die nächsten 25 Jahre und länger weitermachen. 

Denn wir brauchen einen breiten Schulterschluss weit über Initiativen und Vereine hinaus, der alle demokratischen Parteien, Verwaltungen, Unternehmen, Kirchen, Gewerkschaften, den gesamten Sozial- und Gesundheitsbereich und die Kultur einschließt. Eine andere Chance haben wir nicht.

Auf viele weitere Jahre solidarischer, kluger und entschlossener Arbeit.

Lasst uns kämpfen und die Demokratie verteidigen! Gemeinsam!

Redaktion TolSax

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